VON BERND VELTMANN
Das Bocholter Krankenhaus hat beschlossen, wegen des Blutspende-Streiks absehbare Eingriffe mit hohem Blutverlust zu verschieben. Damit folgt es einer Aufforderung des DRK-Blutspendedienstes Münsters, den die Gewerkschaft Verdi seit Anfang des Jahres bestreikt.
BOCHOLT Als Folge des Streiks beim DRK-Blutspendedienst hat das Agnes-Hospital beschlossen, vorhersehbare Operationen mit hohem Blutverlust zu verschieben. Betroffen seien zum Beispiel Patienten, deren Hüftprothesen ersetzt werden müssten, erläuterte gestern der Chefarzt der Anästhesie, Dr. Olaf Baumhove. Damit folge die Klinikleitung der Aufforderung des DRK-Blutspendedienstes in Münster vom Mittwoch, die Blutkonserven nur noch für Notfälle zu verwenden.
Dr. Olaf Baumhove betonte, dass die großen Operationen eher Ausnahmefälle seien und Menschen, die zum Beispiel erstmals eine Hüftprothese brauchten, nicht betroffen seien. „Im Moment sind das für uns noch Ausnahmefälle“, so Baumhove. Wenn die Gewerkschaft Verdi den Streik jedoch weiterführe, könne Anfang der Woche eine neue Situation eintreten. „Dann kann es sein, dass wir auch planbare Eingriffe mit mäßigem Blutverlust verschieben müssen.“
Im Blutdepot des St.-Agnes-Hospitals lagern nach Angaben des Laborleiters Suitbert Beforth zurzeit rund 120 Erythrozyt-Konzentrate – also Konserven mit roten Blutkörperchen – à 300 Milliliter. „Unser Mindestbestand an Erythrozyten liegt bei 60“, sagt Beforth. Die Versorgung für die Notfälle sei also zurzeit sichergestellt. Im Bestand gebe es außerdem 60 Konserven mit Blutplasma. Das Blut fließt nicht allein in die Patientenversorgung in Bocholt. Das Depot versorge auch die Krankenhäuser in Borken, Vreden, Stadtlohn, Ahaus und Rhede mit Konserven, sagte Beforth. „Wir müssen den Anrufer aus den anderen Krankenhäusern jetzt fragen, ob es sich bei der Bestellung um einen Notfall handelt“, berichtete er. Falls dies nicht der Fall sei, dürfe er zurzeit keine Blutkonserven herausgeben.
Der Bocholter Chefarzt Dr. Olaf Baumhove übte Kritik am Vorgehen der Gewerkschaft. Über viele Jahre habe die Versorgung mit dem lebenswichtigen Blut reibungslos funktioniert. „Deshalb ist man natürlich betroffen, wenn es streikbedingt eine Mangelversorgung gibt.“ Es sei wichtig, Arbeitnehmerinteresse und Patienteninteresse abzuwägen. Ob die Interessen der Arbeitnehmer wirklich vorrangig seien, „da macht man als Mediziner schon ein Fragezeichen dran.“
Info
Vermehrt spenden
Der Chefarzt von St. Agnes, Dr. Olaf Baumhove, fordert alle Bürger auf, während des Streiks verstärkt Blut zu spenden. Dies könne die Engpässe verkleinern. Auch die Gewerkschaft Verdi rief zu vermehrten Blutspenden auf – allerdings direkt in den Krankenhäusern und Uni-Kliniken.
Der Streik im DRK-Blutspendedienst Münster läuft seit Anfang des Jahres. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schlichtungsgespräche zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem DRK-Blutspendedienst (BSD) gescheitert. Verdi hatte gefordert, dass der BSD der Bundestarifgemeinschaft des DRK beitritt. Unterdessen hat das Landesarbeitsgericht Hamm am Dienstag entschieden, dass Verdi streiken darf – der Blutspendedienst hatte eine gegenteilige Auffassung vertreten. Der BSD hatte daraufhin den Kliniken empfohlen, den Blut-Einsatz auf Notfälle zu beschränken. |
|