Zuviel oder zuwenig Zucker


 

VON RENATE WITTELER Dr. Bierkamp in der Diabetesambulanz

Dr. Dirk Bierkamp-Christophersen von der Ambulanz im St.-Agnes-Hospital betreut 150 Kinder und Jugendliche, die unter dem Diabetes-Typ I leiden. Um sie dreht sich der heutige Weltdiabetestag. Der zweijährige Luca ist einer von Bierkamp-Christophersens Patienten.

 

BOCHOLT Luca war gerade einmal sieben Monate alt, als er plötzlich zwei Kilo abnahm und ständig müde wurde. „Sein Gesicht sah krank aus, er aß wenig, trank viel und sein Bett war trotz Pampers nass“, berichtet seine Mutter Aurelie Stegemann. Alles typische Anzeichen für Diabetes, doch der Kinderarzt rechnete offensichtlich nicht mit so etwas und diagnostizierte eine Magen-Darm-Grippe. Noch am gleichen Tag fiel Luca in ein Koma, weshalb er ins St.-Agnes-Hospital gebracht wurde. Dort stellten die Ärzte schnell die eigentliche Ursache für seinen Zustand fest: Insulinmangel. Luca – inzwischen zwei Jahre alt – leidet unter der Stoffwechselkrankheit Diabetes des Typs I.

„Die Inselzellen, die in der Bauchspeicheldrüse Insulin bilden, sind durch Autoimmunprozesse untergegangen“, erklärt Oberarzt Dr. Dirk Bierkamp-Christophersen. „Das kann man jederzeit bekommen, hauptsächlich aber im Kindesalter.“ 25 seiner 150 von Diabetes betroffenen Patienten seien jünger als 6 Jahre, 50 bis 60 seien zwischen 6 und 12 Jahre alt, der Rest seien Jugendliche. Um diese Patientengruppe dreht sich in diesem Jahr der Weltdiabetestag. Der Pariser Eifelturm etwa wird deshalb heute in blaues Licht getaucht, ebenso wie die Allianz-Arena in München. „Weltweit gibt es Aktionen, weil die Häufigkeit von Diabetes zunimmt“, sagt Bierkamp-Christophersen.

 

Luca, der nach seinem Diabetes-Koma noch drei Wochen im Hospital verbrachte, hat sich inzwischen an seine Diabetes gewöhnt. „Er hat seit eineinhalb Jahren eine Insulin-Pumpe“, sagt Stegemann. „Immer, wenn er etwas isst, drücke ich auf die Pumpe, die ansonsten automatisch kleine Mengen Insulin abgibt.“ Alle zwei Stunden, mindestens aber fünf bis sieben Mal am Tag, messe sie zudem den Blutzuckerspiegel ihres Sohnes. Ist er zu hoch, wird zusätzliches Insulin verabreicht; ist er zu niedrig, gibt sie Luca Traubenzucker oder etwas anderes Süßes, damit er wieder steigt. „Fast ein Jahr lang habe ich auch nachts um 2 Uhr noch einmal gemessen, weil man sagt, dass die Gefahr der Unterzuckerung zwischen 2 und 3 Uhr am höchsten ist“, berichtet Stegemann.

 

Bierkamp-Christophersen bezeichnet das als vorbildlich. Bei den die Insulin-Pumpen haben müssten nun nur noch alle zwei Tage Katheter gewechselt werden. Das sei besser als mehrmals am Tag spritzen und bedeute für viele eine Verbesserung der Lebensqualität. Bei den Jugendlichen jedoch kämen diese Pumpen nicht immer an. Die wollten auch vom Blutzuckerspiegel-Messen oft nichts wissen, sagt der Oberarzt. Bei den Routine-Kontrollen alle vier bis sechs Woche tue er deshalb alles, um sie zu motivieren.

Die Hilfen für Diabetes-Patienten und deren Eltern seien vielfältig. So biete die Ambulanz beispielsweise für Kinder über 8 Jahren Schulungen an, damit sie sich selbst den Katheter legen könnten. Ansprechpartner sei auch der aus einer Selbsthilfegruppe hervorgegangene Verein „Diabolinos“ für Kinder und Jugendliche mit Diabetes.

 

Info

Weltdiabetestag

Der Weltdiabetestag am 14. November erinnert an den Geburtstag von Frederick Banting, der 1921 zusammen mit Charles Best das Insulin entdeckte. 1991 riefen die Diabetes-Föderation und die Weltgesundheitsorganisation den Weltdiabetestag ins Leben, um auf Ursachen und Symptome, die Behandlungsmöglichkeiten und die Komplikationen, die mit Diabetes einhergehen, aufmerksam zu machen.