|
VON THEO THEISSEN
BOCHOLT Wenn Dr. Frank Oberpenning von seinem neuesten Arbeitsgerät spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. Der Urologie-Chefarzt im St.-Agnes-Hospital ist von dem rund 190000 Euro teuren Hightech-Laser mit dem unscheinbaren Namen „RevoLix DUO 70/20“ begeistert. Es wird bei der operativen Behandlung von gutartig Vergrößerungen der Prostata eingesetzt – ein Problem, das bei etwa der Hälfte aller über 50-jährigen Männer und nahezu bei allen Männern ab dem 70. Lebensjahr auftritt.
Gegenüber der herkömmlichen Operationsmethode, bei der das störende Gewebe mit einer elektrischen Schlinge „abgehobelt“ worden sei, biete der Laser einige Vorteile, sagt Dr. Oberpenning. Über ein Kabel – es ist nur den Bruchteil eines Millimeters dick – werden eine winzige Kamera und der Laser durch die Harnröhre zum Operationsfeld geschoben. Die Videokamera überträgt die Bilder auf einen Monitor, während das überschüssige Gewebe mit Hilfe des roten Laserstrahls verdampft oder abgeschnitten wird. „So können auch Gewebeproben genommen werden, um sie später zu untersuchen“, erläutert Dr. Oberpenning.
Da die Laserstrahlen nur oberflächlich in die Prostata eindringen, werde das übrige Gewebe geschont. Hierdurch würden sich die Patienten schneller als nach den herkömmlichen operativen Eingriffen erholen und bereits nach zwei bis drei Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Obendrein könnten dank der insgesamt schonenderen Behandlungsmethode auch Risikopatienten behandelt werden. Und weil die Laser-Behandlung zu deutlich weniger Blutungen führe, sei sie auch für Männer geeignet, die Blutgerinnungsmittel einnähmen. Und: Der Eingriff könne nicht nur in Vollnarkose, sondern auch in örtlicher Betäubung erfolgen, was gerade bei älteren Männern mit anderen Vorerkrankungen von Vorteil sei, fügt der 42-jährige Mediziner hinzu.
Der neue Laser könne nicht nur als endoskopisches Operationsgerät, sondern auch zur Zertrümmerung von Harn- oder Nierensteinen eingesetzt werden, sagt Dr. Oberpenning. Da der Laser obendrein lichtneutral sei, könne der Operateur auf eine eingefärbte Schutzbrille verzichten. Ein weiterer Vorteil: Das Gerät benötige keinen Starkstrom und sei „wohltuend leise“, sagt der Urologe.
Die beiden im Klinikverbund zusammenarbeitenden Krankenhäuser in Bocholt und Ahaus haben den neuen Laser gemeinsam angeschafft und nutzen ihn im wöchentlichen Wechsel. Während das Gerät in dieser Woche in Bocholt steht, wird es in der nächsten Woche den Patienten in Ahaus zur Verfügung stehen.
Info:
Die Prostata
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist muskulös und etwa kastaniengroß. Sie umschließt ringförmig den Beginn der Harnröhre. Zum Krankheitsbild einer gutartig vergrößerten Prostata zählen erhöhter Harndrang, besonders nachts, und eine oft mit Schmerzen verbundene und erschwerte Entleerung der Blase.
|