Erwartungen übertroffen


 

VON THEO THEISSEN

Rund 25000 Frauen nahmen in den vergangenen zwei Jahren am Mammographie-Screening-Programm des Kreises teil. Damit nutzten etwa 60 Prozent der infrage kommenden Frauen diese Methode zur Brustkrebs-Früherkennung.

BOCHOLT/RHEDE/ISSELBURG Seit zwei Jahren gibt es im Kreis Borken das mobile Mammographie-Screening. Gestern zogen die Ärzte Bilanz: Von rund 40000 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren, die in den vergangenen zwei Jahren im Kreis Borken zur Teilnahme an einem Mammographie-Screening eingeladen wurden, haben etwa 25000 Frauen die Gelegenheit zur Brustkrebsvorsorge wahrgenommen. Dies entspricht einer Beteiligung von rund 60 Prozent – Tendenz steigend. „Damit wurden unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Dr. Angelika Lösse, stellvertretende Leiterin des Brustzentrums Westmünsterland. Allein im Bocholter Krankenhaus nahmen im ersten Halbjahr 2008 rund 65 Prozent der angeschriebenen Frauen an einem Mammographie-Screening teil. 9000 Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen gab es hier allein seit 2006.

Kreisweit wurden nach dem Screening mit etwa drei Prozent der untersuchten Frauen weitergehende Gespräche geführt. Bei einem Viertel dieser Frauen seien zudem Gewebeproben entnommen und untersucht worden, hieß es in der gestrigen Pressekonferenz. Bei 21 Prozent dieser Frauen sei ein Karzinom bestätigt worden. Kreisweit habe die Entdeckungsrate von Brustkrebs in den vergangenen beiden Jahren bei 6,3 Prozent gelegen.

Zu den größten Vorteilen des Mammographie-Screenings gehöre die frühzeitige Erkennung von Krebszellen, sagte Dr. Robin Sen Gupta, Chefarzt des pathologischen Institutes am St.-Agnes-Hospital. So könnten beispielsweise ein Zentimeter große Karzinome ein bis zwei Jahre früher entdeckt werden als beim herkömmlichen Abtasten der Brust. „Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto größer ist die Überlebenschance der Frau und die Erfolgschance einer brust erhaltenden Operation“, fügte Dr. Lösse hinzu.

Der Anteil der 65 bis 69 Jahre alten Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wurde, lag bei 38 Prozent. Und noch eine Zahl: Von den Frauen, bei denen ein Karzinom festgestellt wurde, haben immerhin 26 Prozent noch nie an einer Mammographie teilgenommen. Die Zahl der Frauen, bei denen Brustkrebs festgestellt wurde, entspreche im Übrigen fast dem Dreifachen der Brustkrebsfälle, die es vor dem Screening-Programm gegeben habe, zogen die Ärzte Bilanz. Und die Tatsache, dass die Brustkrebsentdeckungsrate beim Screening im „Mammobil“ vor Ort deutlich höher sei als die im Krankenhaus unterstreiche die Richtigkeit des Konzeptes, mit dem „Mammobil“ vor Ort in die Gemeinden zu fahren, um allen Frauen Gelegenheit zu geben, an der Früherkennung teilzunehmen.

Ziel sei es, beim Screening eine Beteiligung von 70 Prozent der infrage kommenden Frauen zu erreichen, hieß es gestern.

Info

Die Mammographie

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, um frühzeitig nicht tastbare bösartige Tumore sichtbar zu machen. Neben dem Screening im Krankenhaus fahren im Kreis Borken seit zwei Jahren auch mobile Untersuchungspraxen, sogenannte „Mammobils“, in die Gemeinden. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben alle zwei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf diese Methode zur Brustkrebs-Früherkennung. Dazu werden sie persönlich eingeladen. Die Teilnahme ist freiwillig. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.