Babys auf Tauchstation


von Carola Korff

BOCHOLT RUND UM DIE UHR Zwischen 14 und 15 Uhr werden im St.-Agnes-Hospital die Kleinsten zu Wasser gelassen. Elisabeth Ross macht in dieser Zeit Babyschwimmen mit Kindern von drei bis sieben Monaten.

BOCHOLT Die Mütter singen. „Wir fangen an zu planschen, planschen, planschen“, schallt es durch das Bewegungsbad im St.-Agnes-Hospital. Das lässt Anna sich nicht zweimal sagen. Das sechs Monate alte Mädchen schlägt mit der Hand aufs Wasser und quietscht vor Vergnügen. Es ist 14.30 Uhr. Anna ist mit ihrer Mutter beim Babyschwimmen. Seit neun Jahren bietet Kinderkrankenschwester Elisabeth Ross solche Kurse im Krankenhaus an.

Babyschwimmen im St.-Agnes-Hospital„Schwimmen fördert unheimlich die Motorik der Kinder“, sagt die 55-Jährige. Nach der ersten Stunde des laufenden Kurses hätten gleich drei der kleinen Teilnehmer sich zum ersten Mal vom Rücken auf den Bauch gedreht. „Im Wasser wiegen die Kinder nur zehn Prozent ihres eigentlichen Gewichts, dadurch haben sie ganz andere Möglichkeiten sich zu bewegen“, so Ross. Ole und Paula – beide gerade mal vier Monate alt – nutzen diese Möglichkeiten, um ein bisschen anzubändeln. Sie halten sich an den Händen. Auch das gehört zu den positiven Effekten des Babyschwimmens: „Es fördert die sozialen Kontakte“, so die Leiterin.

Nach dem Singen lässt Elisabeth Ross die Eisenbahn durchs Becken fahren. „Das ist ein Kreisspiel“, erklärt sie. Die Mütter laufen mit den Kindern im Arm hintereinander her und erzeugen einen Strudel. Die Strömung soll die Bauch- und Rückenmuskulatur der Kinder fördern. „Das ist ein ICE, kein Bummelzug“, spornt Ross die Frauen an. Sie ist immer selbst mit im Wasser und nimmt zu Beginn jeder Unterrichtsstunde auch jedes Kind einmal in den Arm. „Ich habe inzwischen ein Gespür dafür entwickelt, wo die Stärken und Schwächen der Babys liegen“, sagt sie. Das könne sie besonders gut erkennen, wenn sie die Kinder auch mal selber halte.

Während im ersten Drittel des Kurses die passive Bewegung im Vordergrund steht, sollen sich die Babys später auch selber aktiv bewegen. Gegen Mitte der Stunde wirft Elisabeth Ross deshalb bunte Igelbälle ins Wasser. Die Mütter sollen ihre Kinder so halten, dass die versuchen können, einen Ball zu erreichen. Anna strampelt mit den Beinen. Später wird sie auch lernen mit den Armen zu rudern, um an das begehrte Spielzeug zu kommen. Ole dagegen hat gerade mehr Interesse an den Mädchen als an den Bällen. Er schaut wieder zu Paula herüber.

Sollte mal eins der Kinder kurz ins Wasser fallen, wäre das nicht ganz so tragisch. Denn Elisabeth Ross trainiert mit den Kleinen einen Reflex, der verhindert, dass man unter Wasser atmet. Dieser Atemschutzreflex ist angeboren, verliert sich aber mit 12 bis 16 Wochen. Durch ständiges Training lässt er sich erhalten.

Gegen Ende ihrer Stunde lässt Ross die Kinder deshalb tauchen. Sie gießt aus einer kleinen Gießkanne Wasser über jedes Kind und beobachtet die Reaktion. Weint es nicht, soll die Mutter es kurz untertauchen. Oft müssen die Mütter sich erst überwinden, den Kindern macht es aber meist nichts aus. Sie planschen danach beim Abschiedslied wieder munter mit.

Info

Intelligentere Kinder

Montags, dienstags, donnerstags und samstags ist im St.-Agnes-Hospital Babyschwimmen. An den verschiedenen Kursen können Kinder im Alter von drei Monaten bis drei Jahren teilnehmen. Die Bewegung im Wasser fördere auch die Entwicklung der Nervenenden, sagt Elisabeth Ross. Deshalb seien Kinder, die Babyschwimmen machen, nachweislich intelligenter als ihre Altersgenossen. Außerdem seien sie weniger krank, hätten ein größeres Lungenvolumen und entwickelten sich in der Motorik schneller.

BBV, 31.07.2008