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-and- Bocholt/Kreis Borken. Es ginge nicht um Schnüffelei, sondern darum, „sensibel und mit Fingerspitzengefühl Hilfe anzubieten, wo sie nötig erscheint und noch nicht vorhanden ist.“ Mit diesen Worten erklärte gestern Dr. Klaus Winter, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendmedizin im Bocholter Sankt-Agnes-Hospital, ein neues Beratungsangebot für Eltern. Das hat es in sich und scheint bundesweit in dieser Form bislang fast einmalig.
Gemeint ist ein Frühwarnsystem gegen Misshandlungen oder Vernachlässigung von Kindern. Der Begriff schien den Ideengebern jedoch zu negativ besetzt. Deshalb heißt das für zwei Jahre geplante Programm: „Frühe Hilfen für Mütter - Schutz für Kinder von Anfang an“. Es wurde gestern im Bocholter Hospital der Presse vorgestellt. Träger werden die Stadt Bocholt und der Kreis Borken sein.
Eine „gestandene Sozialpädagogin“ mit Berufserfahrung soll in den ersten Monaten des neuen Jahres ihre verantwortungsvolle Tätigkeit aufnehmen. Die Formalien dazu wollen die politischen Gremien von Kreis und Stadt Bocholt in der kommenden Woche abschließend klären. Hilfe sei öfter vonnöten, als man denke, auch im ländlich strukturierten Kreis Borken. Das Problem sei keines, das nur in Großstädten präsent sei, sagten gestern Kinderarzt Winter und Elisabeth Möllenbeck, die in der Jugendhilfeplanung des Kreises Borken tätig ist. Winter erinnerte an den tragischen Kindstod von Kevin aus Bremen, der jämmerlich verhungerte. Winter: „Im hochsensiblen Bereich elterlicher Überforderung und möglicherweise drohender Kindeswohlgefährdung“ sei eine „Kontrolle“ unvermeidbar: Neugeborene könnten nicht „selbst dafür sorgen, dass es ihnen gut geht.“
Oft würden Teenager-Mütter Kinder bekommen, aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen völlig überfordert sein, ergänzte Elisabeth Möllenbeck. Hier sei Hilfe geboten. Erster Anlaufpunkt sei das Team von Schwestern, Hebammen, Gynäkologen im Krankenhaus, das aus Erfahrung eine Notsituation sehr gut einschätzen könne. Um etwa 30 Familien kümmert sich jährlich bislang die Bocholter Krankenhaus-Psychologin Dorothea Hartmann. Von jährlich derzeit 850 Geburten in Bocholt sind 700 Kinder Neugeborene der Stadt, der Rest komme aus der Region.
Nach diesem Verteilerschlüssel werde auch die künftige Sozialpädagogin von Stadt Bocholt und Kreis Borken bezahlt. Der knüpft seit längerem an einem Netzwerk mit: Die Ämter informieren untereinander frühzeitig über Brennpunkte.
Möllenbeck: „Das Problem der so genannten Sozialnomaden, die von Ort zu Ort ziehen und dies häufig kreisüberschreitend tun, ist uns hinlänglich bekannt.“ Ämter seien für junge, sozialschwache Mütter oft eine unüberwindbare Hemmschwelle. „Die Hilfe-Aktion vermeidet von Anfang an eine Kindesgefährdung.“
Borkener Zeitung, 13.12.2009
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