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VON THEO THEISSEN
Bei der sogenannten Kapsel-Endoskopie wird eine High-Tech-Videokapsel durch das menschliche Verdauungssystem geschickt. Das neue, für den Patienten schonende Untersuchungsverfahren, dauert rund acht Stunden und liefert in dieser Zeit etwa 60000 digitale Bilder.

BOCHOLT Dr. Ludger Wiemer spricht von einer „bahnbrechenden Entwicklung“ bei der Untersuchung von Dünndarmerkrankungen. Der Chefarzt der II. Medizinischen Klinik – Gastroenterologie und Onkologie – am St.-Agnes-Krankenhaus ist begeistert von den Möglichkeiten, die das neue Untersuchungsverfahren, die Kapsel-Endoskopie, bietet.
Dabei wird vom Patienten eine 26 x 11 Millimeter kleine Kapsel in Form einer größeren Tablette geschluckt, die neben Batterien und einem Sender auch eine Lichtquelle und eine Chip-Kamera enthält. Mit einer Frequenz von zwei Bildern pro Sekunde dokumentiert die Kamera die Reise der Kapsel durch das Verdauungssystem, bevor sie nach etwa acht Stunden auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden und dann entsorgt wird. In dieser Zeit liefert die Kamera rund 60000 digitale Videobilder in hochwertiger Qualität, die über Sensoren an einen tragbaren Datenrekorder geschickt werden. Den trägt der Patient für die Dauer der Untersuchung bei sich. Anschließend werden die Bilder in den Hauptcomputer eingelesen und medizinisch ausgewertet.
Das Verfahren soll für Untersuchungen vor allem im Dünndarm eingesetzt werden. Es kann dazu genutzt werden, um Blutarmut abzuklären, deren Ursache im Magen- und Darmtrakt vermutet wird, aber auch, um krankhafte Veränderungen wie Entzündungen oder Tumore im Verdauungstrakt frühzeitig zu erkennen.
Komplikationen seien bei der Kapsel-Endoskopie nicht zu erwarten, sagt Dr. Wiemer. „Der große Vorteil der Kapselendoskopie ist der, dass sie für den Patienten ein schonendes Verfahren darstellt“, sagt der Mediziner. Schon vier Stunden, nachdem er die Kapsel geschluckt habe, dürfe der Patient im Normalfall wieder etwas essen.
Allerdings gebe es auch Einschränkungen. So könnte das Verfahren nicht bei Patienten angewendet werden, die an einer Schluckstörung leiden, schwanger sind oder mit einem Herzschrittmacher leben. Auch bei Patienten mit besonderen Dünndarm-Verengungen könne die Kapsel nicht eingesetzt werden.
Und über eines müsse man sich ganz klar sein, fügt Dr. Wiemer hinzu: „Die Kapsel-Endoskopie ersetzt nicht die herkömmliche Darmspiegelung zur Krebsvorsorge im Dickdarm.“ Und: Zur Vorbereitung für den optimalen Einsatz der kleinen Videokapsel muss der Patient vorher eine Spüllösung trinken, um Magen und Darm leerzuspülen – wie bei der bisherigen Darmspiegelung.
BBV, 11.09.2008
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