Zwei Farbklekse auf Visite


 

von BERND VELTMANN

Auf Einladung des Lions-Clubs kommen die beiden Clowns Tülle und Valentina Nappoletta bis März an drei Vormittagen in die Bocholter Kinderklinik. Gestern statteten sie den kleinen Patienten ihren ersten Besuch ab.

BOCHOLT Ob die Feder wohl funktioniert, will Clown Tülle wissen. Gerade hat sich der vierjährige, kranke Leonard das blaue Federchen ausgesucht, das er selbst aus dem Spieldöschen gezaubert hat. Jetzt nimmt Tülle sie – und hält sie ihm direkt unter die Nase. Leonard kichert. „Na bitte! Und ob die funktioniert!“, ruft Tülle laut und fröhlich.

Klinikclowns im St.-Agnes-HospitalTülle, der Clown mit Hosenträgern und Okulele, heißt eigentlich Sandra Silbernagel. Die Münsteranerin ist hauptberuflicher Klinik-Clown und kam gestern zu Besuch ins Bocholter Krankenhaus – gemeinsam mit ihrer Clownskollegin Valentina Nappoletta, die eigentlich Ulrike Simon heißt. „Wir sind die Verbündeten der kranken Kinder“, sagt Sandra Silbernagel. „Wir versuchen, mit unseren Späßen die sterilen Klinikräume aufzubrechen.“ Andrea Rieke, Sprecherin des Bocholter Krankenhauses, lobt: „Die beiden sind hier die Farbklekse.“

Inzwischen hat Tülle ihre Clownsfreundin Valentina Nappoletta vor die Tür geschickt. Drinnen, im Krankenzimmer, sitzen die zehnjährige Layal und die achtjährige Antonia auf einem Bett mit gelb-weiß gestreifter Bettwäsche. Plötzlich platzt Valentina herein. „Stoooopp!“ ruft Tülle so laut, dass es sicher noch am Ende des Flures zu hören ist. „Draußen warten!“ Valentina dreht sich schnurstracks um und schließt die Tür. „Die ist doch das Pferd! Und wir müssen erst singen“, sagt Tülle. Die beiden Mädchen grinsen. Schon platzt Valentina wieder rein. „Darf ich jetzt reinkommen?“, fragt sie. „Nein!“, ruft Tülle vergnügt. „Warte!“ So geht das noch fünf Mal. Endlich schlägt Tülle ihre Okulele an und singt mit den Antonia und Layal: „Da steht ein Pferd auf dem Flur.“ Und endlich: Valentina trabt herein, imitiert mit ihrem Staubwedel einen Pferdeschwanz und wiehert laut. Die Mädchen halten sich vor Lachen die Hände vor den Mund und quietschen vergnügt.

Finanziert wurde der Besuch vom Lions-Club Bocholt. Karl-Heinz Ketteler, Manfred von Rappert und Präsident Walter Grimhardt waren gestern auch im Krankenhaus und lachten gemeinsam mit den Kindern – und über sich selbst. Tülle ließ es sich nicht nehmen, die Sponsoren auf den Arm zu nehmen. Als sie den bärtigen Manfred Grimhardt sucht, ruft sie: „Wo ist der Bart.“ Und den Kindern stellte sie die Männer in Anlehnung an den Club-Namen einfach als „Die Löwen“ vor – und forderte sie vor den Kindern folgerichtig auf, kräftig zu fauchen – und so geschah es.

Der vierjährige Leonard durfte seine Feder übrigens behalten. Tülle klebte sie ihm fein säuberlich an das Gitter des Krankenhausbettes. Mit etwas Glück, berichtete sein Großvater Josef Beckmann, darf der Kleine heute aus dem Krankenhaus.

Info: Drei Mal in Bocholt

Der Lions-Club hat die beiden Klinikclowns Tülle und Valentina Nappoletta für drei Vormittage gebucht. Der erste Besuch im Bocholter Krankenhaus war gestern, weitere Visiten folgen im Februar und März. Jeder Besuch kostet 300 Euro. Anders als in anderen Krankenhäusern gibt es die Clowns-Visiten in Bocholt wegen der hohen Kosten und einem Mangel an Sponsoren nur unregelmäßig. Die Krankenkassen zahlen nichts. Für Clown Valentina Nappoletta ist das nicht verständlich. „Lachen ist doch gesund!“