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Das Bocholter St.-Agnes-Hospital bildet künftig gemeinsam mit dem
St. Marien-Hospital in Borken ein neu geschaffenes Kontinenz- und Beckenbodenzentrum. Dort sollen Inkontinenz-Patienten fachgebietsübergreifend behandelt werden.
VON JOCHEN KRÜHLER
BOCHOLT/BORKEN Das Bocholter St.-Agnes-Hospital verstärkt seine Zusammenarbeit mit dem St. Marien-Hospital in Borken: Beide Krankenhäuser bilden künftig das neu gegründete Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Bocholt-Borken. Das Zentrum soll Anlaufstelle sein für Patienten, die beispielsweise an Inkontinenz leiden oder Probleme mit dem Beckenboden haben. Es ist das erste Zentrum dieser Art im südlichen Kreis Borken. Im Nordkreis gibt es eine vergleichbare Einrichtung bereits in Ahaus.
Schon seit vergangenem Jahr arbeiten die beiden Krankenhäuser medizinisch auf diesem Gebiet zusammen. Jetzt haben sie auch die Strukturen für die Bildung des Zentrums geschaffen. „Wir haben jetzt alles richtig durchorganisiert und beispielsweise das Qualitätsmanagement und die EDV mit eingebunden", erklärte gestern Chefarzt Dr. Gregor Westhof, Leiter des neuen Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Am vergangenen Freitag erhielt das Zentrum schließlich auch die offizielle Zertifizierung der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft.
Das Zentrum verfolge einen ganzheitlichen Ansatz bei der Behandlung von Kontinenzstörungen, erklärte Dr. Westhof. Neu sei, dass verschiedene Fachbereiche beider Krankenhäuser in den Krankheitsfällen zusammen-arbeiten. Neben Gynäkologie oder Urologie könnten etwa auch - je nach Befund und Ursache - Neurologie oder Geriatrie (Altersheilkunde) zuständig sein. Früher sei der Patient bei Inkontinenzproblemen oft nur unter einem dieser Aspekte betrachtet worden, so Dr. Westhof. Im Zentrum dagegen würden die verschiedenen Fachbereiche der Hospitale bei komplizierten Fällen Hand in Hand arbeiten.
Konkret soll der Ablauf einer Patientenbehandlung folgendermaßen aussehen: Der Patient erhält vom behandelnden Fach- oder Hausarzt eine Einweisung ins Kontinenz- und Beckenbodenzentrum. Daraufhin wählt er die zentrale Telefonnummer des Zentrums, um sich einen Termin geben zu lassen. Das Sekretariat leitet ihn dann in die zuständige Klinik weiter - Bocholter in der Regel zunächst nach Bocholt, Borkener nach Borken. Die zuständige Abteilung bindet dann weitere betroffene Fachgebiete ein und organisiert weiterführende Untersuchungen. Dieses interdisziplinäre Vorgehen ist für Dr. Westhof die eigentliche Neuerung: „Wir haben jetzt ganz kurze Wege geschaffen." Und das betrifft auch den Informationsfluss unter den Medizinern: Einheitliche Untersuchungsbögen in Bocholt und Borken sollen eine zügige Weiterbehandlung erleichtern.
Patientenzahl
Die Kliniken in Bocholt und Borken behandeln nach eigener Schätzung etwa 700 Fälle von Störungen der Kontinenz (=Fähigkeit, die Ausscheidung zu kontrollieren) jährlich. Man müsse jedoch von einer hohen Dunkelziffer an Betroffenen ausgehen, so Dr. Thomas Berns, Chefarzt am St.-Agnes-Hospital. Viele ließen sich aus Scham nicht oder erst sehr spät behandeln.
BBV, 04.09.2008
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