|
Die St.-Agnes-Hospital GmbH ist nicht, wie viele andere Krankenhäuser in NRW, von der Insolvenz bedroht. Aber Geschäftsführer Ludger Heilmann sieht für die Zukunft schwarz, wenn sich die Finanzierung nicht grundlegend ändert
Von Ludwig van der Linde
BOCHOLT Die Krankenhausgesellschaft NRW schlägt Alarm. „Mehr als ein Drittel aller Krankenhäuser ist in diesem Jahr unmittelbar von der Insolvenz bedroht", teilte die Gesellschaft mit. Das treffe für die St.-Agnes-Hospital gGmbH, zu der auch das St.-Vinzenz-Hospital in Rhede gehört, nicht zu, betont Geschäftsführer Ludger Hellmann auf BBV-Anfrage. „2008 wird es bei uns keine roten Zahlen geben und ich bin zuversichtlich, dass uns das auch noch 2009 gelingt." Was allerdings danach passiere, sei vollkommen ungewiss.
Dass es dem Bocholter Krankenhaus besser geht als vielen anderen Einrichtungen im Land, habe viel mit der Angleichung der Basiswerte zu tun. So sollen bis 2009 alle Krankenhäuser für einen Patienten das gleiche Geld bekommen. Je nach schwere und Aufwand für eine Operation wird dieser Wert mit einer bestimmten Kennziffer multipliziert. „Wir gehören zu den Gewinnern dieser Regelung, weil wir zuvor extrem benachteiligt wurden", sagt Hellmann. Der Grund: Der Basiswert des St.-Agnes-Hospitals lag 2003 bei 2223 Euro. Bis 2009 wird er kontinuierlich auf 2729 Euro ansteigen. Beim St.-Lukas-Krankenhaus in Gronau hingegen fiel der Wert von 3290 Euro (2003) auf eben diese 2729 Euro.
Der Geschäftsführer rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus für die gGmbH von 1,5 Millionen Euro auf 75,8 Millionen Euro, wobei der Anstieg sich aus der Kombination von Preisanpassung und Budgetfortschreibung um 0,64 Prozent abzüglich Solidaropfer (0,5 Prozent) ergibt. Entscheidend dafür sei aber natürlich auch, dass die Patienten den beiden hiesigen Krankenhäusern die Treue hielten. Im vergangenen Jahr waren das zusammen 22 500. „Wir sind mit 80 Prozent gut ausgelastet. Aber nur wenn das so bleibt, können wir uns refinanzieren", sagt Hellmann.
Sorgen bereiten dem Geschäftsführer und seinen Kollegen aber die steigenden Kosten. Für das Personal betrugen diese 2007 rund 44 Millionen Euro. Für 2008 rechnet der Diplom-Ökonom wegen der zu erwartenden Tarifabschlüsse Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro. Außerdem machten die steigenden Sachkosten (vor allem für Energie) und die Umsatzsteuer den Krankenhäusern das Leben schwer. Eigene Möglichkeiten, Kosten zu senken, gebe es nicht mehr. Hellmann: „Nach 15 Jahren Rationalisierung der Prozesse arbeiten wir am Limit. Die Zitrone ist ausgelutscht.
Die Krankenhausgesellschaft fordert angesichts des drohenden finanziellen Kollaps vor allem die Abschaffung des so genannten Budgetdeckels. Bei dem richtet sich die Bezahlung der Krankenhai Leistungen nicht nach den tatsächlichen Ausgaben der Krankenhäuser, sondern nach den Einnahmen der Krankenkassen in den Vorjahren. Diese „Anbindung an die Grundlohnrate" sieht für 2008 eine Vergütungsanpassung von 0,64 Prozent vor.
Nach Berechnungen von Hellmann beträgt diese für die St.-Agnes-Hospital gGmbH 300 000 Euro. Zu wenig, angesichts einer Lohnkostenerhöhung von 1,5 Million Euro. „Es muss eine neue, noch zu findende Größe her. Hier ist die Politik ganz klar gefordert", sagt Hellmann.
BBV, 20.06.2008
|