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Wieder ein neuer Chefarzt im St.-Agnes-Hospital: Dr. Ludger Wiemer löst Prof. Dr. Franz Ludwig Dumoulin in der Klinik fürGastroenterologie und Onkologie ab. Aufsichtsratschef Jürgen Büngeler fühlte sich an Olympia erinnert.

BOCHOLT Jürgen Büngeler verglich die Situation mit Olympia: Auch in der Medizin habe eine neue Dimension des Wettbewerbs um Talente eingesetzt, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Klinikverbundes Westrnünsterland. Er begrüßte gestern Abend Dr. Ludger Wierner als neuen Chefarzt der Gastroenterologie und Onkologie. Innerhalb von viereinhalb Jahren ist er nun der dritte Chefarzt der Abteilung. „Die Sogwirkung der Metropolen wirkt auch auf die Krankenhäuser der ländlichen Region", sagte Büngeler. Denn Wiemers Vorgänger Prof. Dr. Franz Ludwig Dumoulin hat bereits zum 1. Februar nach drei Jahren in Bocholt eine Chefarztstelle in seiner Heimatstadt Bonn übernommen.
Er freue sich nun aber über das Ergebnis eines gewonnenen Wettkampfes um einen neuen Chefarzt, sagte Büngeler. Denn schon im Neuen Testament heiße es: „Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen." Wiemer werde das Haus „nicht nur fachlich, sondern auch menschlich bereichern". Der 38-jährige Mediziner hatte die letzten zehn Jahre in Solingen im städtischen Klinikum gearbeitet. Sein dortiger Chefarzt, Professor Gerd Lux, bescheinigte Büngeler gestern, „die richtige Wahl getroffen" zu haben. Wiemer habe von Anfang an eine patientennahe medizinische Tätigkeit der wissenschaftlichen Karriere vorgezogen. Er sehe den Patienten als Ganzes und stelle ihn in den Mittelpunkt.
Wiemer selbst zitierte einen Brief des Schriftstellers Elias Canetti an dessen Bruder, der Arzt war. Er beneide ihn um seinen Beruf, hatte Canetti geschrieben. Denn der Arzt lebe immer in der Realität, und zwar in der intensivsten Atmosphäre. Angesichts des Todes müsse er aber „unaufhörlich versagen und das verschlägt ihm die großen Worte". Der Arzt sei gleichzeitig mächtig und ohnmächtig, sagte Wiemer. Mächtig gegen über dem Patienten, der sich in einer Notsituation an ihn wende. Deshalb wolle er den Patienten nicht als Kunden sehen, sondern seiner Hilflosigkeit Rechnung tragen. Gleichzeitig sei der Arzt aber auch ohnmächtig - nämlich gegenüber den unheilbaren Krankheiten, die er mit dem Patienten zusammen aushalten müsse. In diesem Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht mache gute Medizin aber dennoch auch Spaß und das hoffe er, im St.Agnes-Hospital „zu leben und umzusetzen".
Als Schwerpunkte für seine Arbeit in Bocholt nannte der neue Chefarzt die Endoskopie - „die werden wir hier ausbauen" - und die Arbeit am Darmzentrum.
INFO
Zur Person
Dr. Ludger Wiemer wurde 1969 in Duisburg geboren und studierte an der Uni Witten/Herdecke Medizin. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema: „Transkranielles Doppler-Monitoring zur Untersuchung der zerebralen Autoregulation bei Morbus Parkinson". Zuletzt war Wiemer Oberarzt im städtischen Klinikum Solingen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder - einen Sohn und zwei Töchter. Wiemer spielt Violine auf Orchesterniveau und befasst sich mit der Geschichte der Medizin.
BBV, 01.05.2008
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