Netzwerk für Diabetes-Nachsorge in Bocholt gegründet


Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St.-Agnes-Hospitals, der Caritasverband und der Selbsthilfeverein Diabolinos haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Es bietet eine adäquate Diabetes-Nachsorge für Kinder, Jugendliche und ihre Familien.

BOCHOLT Die Anzahl der Kinder, die an Diabetes mellitus Typ 1 erkranken, nimmt pro Jahr um drei bis vier Prozent zu. Im St.-Agnes-Hospital werden in der Klinik für Kinder und Jugendmedizin bereits über 160 Kinder mit dieser Stoffwechselerkrankung betreut – Tendenz steigend. Das Problem ist die Nachsorge. „Oft sind Familien im Alltag mit der Krankheit überfordert“, sagt Claudia Schüttel, Kinderkrankenschwester und Diätassistentin bei der Caritas. Helfen soll jetzt ein neues Netzwerk mit dem Namen DiNa.

DiNa steht für „Nachsorge für an Diabetes erkrankte Kinder, Jugendliche und ihre Familien“. Am Netzwerk beteiligt sind die Klinik für Kinder und Jugendmedizin, der Caritasverband und der gemeinnützige Selbsthilfeverein Diabolinos. „Wir haben festgestellt, dass die Werte der Kinder sehr stabil sind, wenn sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weiter betreut werden“, erklärt Schüttel. Die 39-Jährige unterstützt Familien 14 Tage lang und hilft ihnen, mit den Problemen fertig zu werden.

„Wird bei einem Kind Diabetes festgestellt, bekommt die Familie viele Schulungen und jede Menge Informationen“, so Schüttel. Doch im Alltag schaffen es Familien oft nicht, mit der Krankheit und den Schwierigkeiten fertig zu werden. Schüttel: „Dann kann man auch nicht einfach die Krankenschwester fragen.“ Probleme könne es auch geben, wenn Jugendliche in die Pubertät kommen und sich nicht um ihre Blutzuckerwerte kümmern.

Hinzu kommt, dass es immer noch Vorurteile und Falschinformationen über Diabetes gibt. „Ich höre Aussagen wie ‚das Kind darf nicht schwimmen‘“, sagt Schüssel. Sie wisse auch von Eltern, die gefragt wurden: „Können Sie ihr Kind nicht auf einer anderen Schule anmelden?“ Dabei müssen Kinder, die Diabetes haben, nicht in Watte gepackt werden. „Mit denen kann man spielen und toben wie mit anderen Kindern auch“, sagt Dr. Dirk Bierkamp-Christophersen (Klinik für Kinder- und Jugendmedizin).

Die 14 Tage Betreuung reichen nicht immer aus, wie Hildegard Frieling-Heipel, Geschäftsführerin der Caritas, weiß. Es könne andere Probleme geben, zum Beispiel finanzieller Art. Dann kommt Ingrid Quincke-Kraft von „FiZ“ (Familie im Zentrum), der zentralen Anlaufstelle des Caritasverbandes für Familien, ins Spiel. „Ich biete den Familien meine Unterstützung an. Eltern wissen oft nicht, welche Hilfsangebote es in der Region gibt“, erläutert sie.

Für die Familien mit Kindern, die an Diabetes erkrankt sind, ist die Nachsorge kostenlos. „Die Krankenkassen entscheiden je nach Einzelfall. Deshalb finanzieren wir das Projekt über Spenden und sind auch auf Spenden angewiesen“, sagt Frieling-Heipel. Das Interesse am Modellprojekt DiNa sei groß. „Wir werden es auch wissenschaftlich auswerten. Schließlich wollen wir nachweisen, dass sich die Nachsorge lohnt“, sagt sie.

 

 

BBV, 16.06.2009