von Theo Theissen
(RPO) Mit einem Hör-Screening muss seit Beginn dieses Jahres das Gehör aller Neugeborenen kontrolliert werden. Dafür wird im St.-Agnes-Hospital bereits seit Jahren modernste Elektronik eingesetzt.
BOCHOLT Der kleine Joel Luca hat die Ruhe weg. Als Dr. Klaus Winter mit einem Löffel auf eine Blechschale schlägt, zuckt das gerade sechs Tage alte Baby lediglich einmal kurz zusammen – und schläft weiter. „So war der Säuglings-Hörtest bis vor 20 Jahren“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St.-Agnes-Hospitals. Das heute übliche Hör-Screening von Säuglingen ist dank modernster Elektronik wesentlich aussagekräftiger – dafür dauert es etwas länger und ist teurer. „Rund 10000 Euro kostet ein Echo-Screen“, sagt der Mediziner.
Seit dem 1. Januar ist ein solches Hörtestverfahren bei allen Säuglingen vorgeschrieben. „Wir machen das allerdings hier schon seit etwa zehn Jahren“, sagt Winter. Mit der neuen Geräte-Generation können Hörbeeinträchtigungen schon im Babyalter diagnostiziert werden. Die Untersuchung dauert 15 bis 20 Minuten und ist für den Säugling vollkommen schmerzfrei. Das Baby bekommt eine Sonde ins Ohr gesteckt, die ein Mikrofon und einen Sender enthält. Es hört einen elektronisch erzeugten Klick. Wenn es darauf reagiert, ist alles in Ordnung. Der Arzt kann dies über Elektroden kontrollieren, die auf der Stirn des Baby kleben und an den Hör-Screen angeschlossen sind.
Bei Risiko-Kindern, zum Beispiel Frühgeburten oder Kindern, deren Eltern hörgeschädigt sind, ist es möglich, noch einen Schritt weiterzugehen. Um zu sehen, wo und wie viel von dem akustischen Reiz im Gehirn ankommen und umgesetzt werden, können Hirnströme abgeleitet und ausgewertet werden. Außerdem kann durch die künstliche Erzeugung eines Klick-Echos das gesamte Hörsystem kontrolliert werden. „Alle Untersuchungsergebnisse werden an eine zentrale Stelle in Münster geschickt.“ So wird kontrolliert, ob wir den Hörtest wie vorgeschrieben bei allen Babys gemacht haben“, sagt Dr. Klaus Winter. Um mögliche Befunde weiter abzuklären folgen Gespräche der Eltern mit den Ärzten.
„Das Verfahren ermöglicht es uns, bei Bedarf zeitnah zur Geburt des Kindes bei Auffälligkeiten zu reagieren“, sagt Dr. Thomas Niemeyer, Oberarzt an der Kinder- und Jugendklinik des Bocholter Krankenhauses. So könne der kleine Patient beispielsweise schon sechs bis acht Monate nach seiner Geburt ein Hörgerät erhalten. Dies sei für die Entwicklung der hörbaren Wahrnehmung, zum Beispiel für die Sprachentwicklung, sehr wichtig.
Das Gehör des kleinen Joel Luca ist in Ordnung. Der Echo-Screen-Test bestätigt das Ergebnis des herkömmlichen Geräusche-Tests mit der Blechschale.
Ein Video zu diesem Thema sehen Sie im Internet unter www.bbv-tv.de.
BBV, 04.02.2009
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