Ein Schirmchen fürs Herz


von Theo Theissen

(RPO) Menschen mit einem Loch in der Herzvorhofscheidewand sind besonders schlaganfallgefährdet. Mit einem neuen und für den Patienten schonenden Verfahren wird dieser angeborene Herzfehler im St.-Agnes-Krankenhaus korrigiert.

BOCHOLT Mit dem für das Bocholter Krankenhaus neuen „Schirmchen-Verfahren“ werden Patienten, die ein Loch in der Herzvorhofscheidewand haben, operiert. „Und das gut, schnell und sicher“, wie Oberarzt Dr. Johannes Schoofs von der Kardiologie des St.-Agnes-Hospitals sagt. Noch in den 1980er Jahren sei es üblich gewesen, den Brustkorb des Patienten zu öffnen und am offenen Herzen zu operieren. Doch seitdem habe sich viel getan, so der 43-Jährige. Dank des neuen Operationsverfahrens, zu dem auch ein rund 150.000 Euro teures Ultraschallsystem gehört, das dreidimensionale Bilder liefert, ist der Eingriff für die Kardiologen schon fast zur Routine geworden.

Das kleine Loch in der Herzscheidewand zwischen den beiden Vorkammern wachse bei rund 15 Prozent der Patienten nicht zu. Dies wiederum könnte dazu führen, dass kleine Blutgerinsel von der rechten in die linke Vorkammer gelangen und durch den Blutkreislauf zu Gefäßen kommen, die das Gehirn versorgen. Hiervon betroffene Menschen seien schlaganfallgefährdet, fügt Dr. Schoofs hinzu. Hier hilft die „Schirm-Methode“, mit der das Loch in der Herzscheidewand geschlossen werden soll.Schirmchenkathetertechnik im Linksherzkathetermessplatz

Dazu wird durch die Speiseröhre des lokal anästhesierten Patienten eine Ultraschallsonde geführt, mit deren Hilfe sich der Arzt über Monitor orientiert und sich bis zur defekten Stelle vortastet. Durch einen kleinen Schnitt in der Leiste des Patienten schiebt der Internist zunächst eine sogenannte Schleuse, durch die er kurz darauf den „Anker“ drückt. Dieser „Anker“ wird durch das Loch geschoben und stabilisiert das „Schirmchen“, welches auf der anderen Seite der Vorwand das Loch verschließt. Beide sind an einem dünnen Faden befestigt, der sie fixiert und der zum Ende der Operation abgeschnitten wird.

Während des gesamten Eingriffes überwacht der Spezialist alles über Monitor. Die Patienten sind dank der nur lokalen Betäubung während der rund 20-minütigen Operation bei Bewusstsein und können, sofern sie wollen, den Eingriff ebenfalls am Bildschirm verfolgen.

„Der große Vorteil dieses Schirmchen-Verschluss-Verfahrens ist die für den Patienten schonende Operationsmethode und die Tatsache, dass Anker und Schirmchen bis zum letzten Moment über den Faden unter Kontrolle sind“, sagt Dr. Schoofs.

Im Vorzimmer des Operationssaales wird jeder Schritt des Eingriffes und die gesamte Medikamentation des Patienten am Bildschirm minutiös dokumentiert und aufgezeichnet. Das gesamte OP-Team arbeitet mit Röntgenschutzkleidung, was ihre Arbeit nicht gerade erleichtert.

 

BBV, 18.02.2009