Schüler übernehmen Krankenhaus-Station


BOCHOLT (kor) Am Anfang sei es schon komisch gewesen, die eigenen Mitschüler anzuweisen und zu kritisieren, sagt Nicole Ebeling vom Oberkurs der Zentralschule für Gesundheitsberufe. Ihre Klasse hatte im Februar vier Wochen lang die gastroenterologische Station im St.-Agnes-Hospital übernommen, und Nicole Ebeling war die Stationsleiterin. Gestern zogen die Schüler, die Pflegeschule und das Krankenhaus eine Bilanz dieses bisher einmaligen Projekts.

„Das war eine ganzheitliche Erfahrungsphase für die Schüler", sagte Ludger Hellmann, Geschäftsführer des St.-Agnes-Hospitals. Während die jungen Leute sonst in ihrer Ausbildung immer „wohl behütet" mit der Praxis in Kontakt kämen, seien sie hier mit der Realität konfrontiert worden, so Pflegedirektor Christian Keßel. Und das sei gut, schließlich sollten sie nach dem Examen ja auch in der Lage sein, eine Station zu leiten.

Auf der Schulstation war während des Projekts allerdings auch das angestammte Stationspersonal anwesend. Die Führungs- und Pflegekräfte hielten sich zurück, standen aber bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite. „Die Sicherheit für die Patienten sollte ja gewährleistet sein", so Schüler-Stationsleiterin Nicole Ebeling. Oft mussten die Profis aber wohl nicht eingreifen - alle Beteiligten bescheinigten den 18 Schülerinnen und 2 Schülern hohe Professionalität. Auch die Patienten übrigens: In den Patientenfragebögen bewerteten sie Aufnahme und Betreuung auf ihrer Station fast zu 90 Prozent als überaus positiv - übrigens ohne zu wissen, dass sie sich auf einer Schulstation befanden.

Barbara Redeker, Assistentin der Verwaltungsleitung, hatte das Projekt ausgewertet und kam zu dem Schluss, die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger hätten die Lernziele „Verantwortung übernehmen" und „Selbstsicherheit gewinnen" erreicht. Wenn möglich sollte die Dauer des Projekt bei kommenden Klassen von vier auf sechs Wochen verlängert werden. Das hatten sich einige der beteiligten Schüler gewünscht.

 

BBV, 21.08.2009