Erster Fall von Schweinegrippe in Bocholt


VON BARBARA-ELLEN ROSS

Eine 18-jährige Bocholterin hat sich mit dem A/H1N1-Virus infiziert. Sie befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung und wird ambulant behandelt. Zwei weitere Verdachtsfälle bestätigten sich nicht.

 

BOCHOLT Es ist der erste Fall von Schweinegrippe im Kreis Borken: Eine 18-jährige Bocholterin hat sich mit dem gefährlichen A/H1N1-Virus infiziert. Dies bestätigte gestern der Fachbereich Gesundheit im Kreis Borken.

Es waren die üblichen Erkältungssymptome, Husten, Schnupfen und Fieber, mit denen die 18-jährige Bocholterin nach ihrem Urlaub in Spanien zu kämpfen hatte. Der Besuch beim Hausarzt brachte Gewissheit: Es handelt sich um die Schweinegrippe. Die junge Frau wird ambulant behandelt und befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung. Fieber habe sie keines mehr. Zudem halten Ärzte engen Kontakt mit der Familie, die Schutz- und Hygienemaßnahmen einhalte.

Bereits am Samstag war die 18-Jährige mit einer Reisegruppe aus Lloret de Mar zurückgekehrt. In den Touristenorten Spaniens waren zuletzt vermehrt Erkrankungsfälle aufgetreten. „Dort wo Jugendliche derzeit sehr intensiv miteinander feiern, ist die Übertragungsgefahr sehr groß“, sagte Annette Scherwinski, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit im Kreis Borken.

In dem Reisebus aus Lloret de Mar befanden sich noch etwa 24 weitere Jugendliche aus dem Kreis Borken. Alle sind vom Fachbereich Borken über die Krankheit informiert worden. Da die Inkubationszeit sieben Tage beträgt und keiner der Mitreisenden bis jetzt über Symptome klagt, ist davon auszugehen, dass die Jugendlichen sich nicht angesteckt haben.

Bei zwei weiteren jungen Männern, einem 18-jährigen Hamminkelner und einem 17-jährigen Bocholter bestätigte sich der Verdacht auf Schweinegrippe nicht. Die Jugendlichen hatten ebenfalls mit einer Reisegruppe in Lloret de Mar Urlaub gemacht und sind direkt nach ihrer Ankunft in Bocholt am Donnerstagabend mit Grippesymptomen in das Bocholter Krankenhaus gekommen. Dort wurden sie auf einer Isolierstation behandelt. Der Schnelltest ergab, dass die Jugendlichen unter einer anderen Virusinfektion leiden. Sie konnten das Krankenhaus gestern bereits verlassen.

Sowohl Scherwinski als auch Prof. Dr. Jobst Nitsch, Hygieneverantwortlicher Arzt und Ärztlicher Direktor im Bocholter Krankenhaus betonen, dass es keinen Grund zur Panik gebe. Gestern habe eine Bocholter Reisegruppe aus Lloret de Mar angerufen und gefragt, ob sie gleich mit dem Bus zum Krankenhaus fahren sollten. „Dazu besteht natürlich kein Anlass“, sagt Nitsch. Des Weiteren geht der Professor davon aus, dass frühestens im Herbst oder Winter das Virus aggressiver werde. Allerdings soll es bis zu diesem Zeitpunkt auch einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe geben. „Dann ist die ganz große Gefahr vorbei“, sagt Nitsch.

Die Apotheken in Bocholt verfügen zudem über einen großen Vorrat an Tamiflu, dem Medikament, das derzeit auch die erkrankte Bocholterin erhält. Mehrere hundert Packungen hält beispielsweise die Marien-Apotheke bereit, ebenso Hygienemittel und Schutzmasken. Tamiflu soll allerdings nicht vorbeugend genommen werden und muss vom Arzt verschrieben werden. Einige Patienten erhalten ein Rezept für Tamiflu jedoch auch, wenn sie Urlaub in einem Risikogebiet planen. Dann müssen die Kosten für das Medikament aber selbst gezahlt werden.

BBV, 18.07.2009